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 ÜBER KRISEN, DRAMEN UND MUT 

Schon länger begleitet uns die Krise – zum Teil sind wir wirtschaftlich betroffen, dabei vielleicht dann auch persönlich. Eine Krise kann eine andere Krise mitziehen und durch eine Krise kann es zu einer nächsten kommen. Wir warten ja seit bald 1.5 Jahren auf das Ende der Corona-Krise. Vielleicht war es auch etwas illusorisch zu glauben, dass es «päng» macht und alles wieder wie früher ist. Vielleicht haben wir geglaubt, es wird schon vorbei gehen, so wie ein unschöner Traum.

Jetzt die Ernüchterung: Nein, sie ist nicht vorbei. Sie ist immer noch da. Und für manche dreht das Krisenrad immer schneller. Ich höre nicht nur von wirtschaftlichen Krisen, sondern vermehrt auch von persönlichen. Ich selbst hatte schon viele persönliche Krisen zu meistern. Meine letzte Krise hatte ich vor 2  Wochen, als ich meinen Wunsch auf den Eiger zu klettern, erfüllen wollte. Ich war mir klar, es war sehr ambitioniert, neben dem Faktor, dass ich lange nicht mehr so geklettert bin und vielleicht mich auch nicht so gut vorbereitete, war der Faktor Kopf ein grosser Stolperstein. Die letzten Wochen haben mich beruflich sehr gefordert und eigentlich wusste ich, dass ich schon am Limit meiner Kräfte bin. Doch ich wollte es versuchen. Wer nicht Neues versucht, kommt ja auch nicht weiter. So mein Leitsatz. Und so sehr ich weiss, wie wichtig manchmal Scheitern ist, umso schwerer fällt es mir jedes Mal von Neuem. Also die Geschichte ist kurz. Ich hatte Mühe mit der Höhe, konnte schlecht Atmen und obwohl ich Hochgebirge gewohnt bin, war ich von der Wucht des Gletschers und der Höhe in diesem Moment überwältigt. Was ich früher mit meinem Kopf überwinden konnte, ging am gesagten Tag nicht mehr.

Früher war es mein Kopf, der die Angst überwunden hatte, doch mein Kopf war voll, nicht frei. Zu viele Dinge, die gerade meine Verantwortung im Leben brauchen. Und so war ich da am Fels, den Bergführer sah ich nicht mehr, schaute nach unten in einen Gletscherspalt und dann ging nichts mehr. Weder den Schritt nach vorne oder zurück. Ein paar Schritte kämpfte ich noch. Mein Kopf sagte ein, zwei Mal; ist doch ganz einfach, das hast du schon 100 mal gemacht, trotzdem es ging nicht. Dann bin ich noch abgerutscht und ab diesem Moment wusste ich; Nein Fabienne, das schaffst du heute nicht, oder vielleicht heute mit viel Überwindung aber morgen kommst du keinen Meter über diesen Grat in Richtung Gipfel. Wenn ich etwas gelernt hatte war es, die Berge sind immer stärker, da etwas «durchzustieren» geht nicht. Zudem war es mir plötzlich doch weniger wichtig, als dass ich ein Drama am Berg verursachte, dann noch die Rega kommen muss, oder ich so blöd abrutsche, dass ich verletzt bin und meine Kinder und mein Umfeld unter einem Unfall und meinem Ausfall leiden. Somit gab es nur eines «Aufgeben»!
Der Rückweg bis zur Bahn war speziell. Es herrschte Lawinengefahr über dem Gletscher, da die Sonne doch recht fest einwirke. Der Bergführer nervös und ich sehr frustriert. Am liebsten wäre ich hingesessen und hätte laut rausgeschrien oder einen Heli gerufen, der mich direkt in meine Stube unter meine Decke bringt, wo ich die nächsten 48 Stunden nicht mehr aufstehen werde. Das alles ging nicht und ich wusste, das ist mein inneres Drama.
So habe ich dann anstatt diesem Drama Platz zu machen, begonnen ein Mantra zu machen – bei jedem Schritt. Und dieses Mantra war; Es ist wie es ist, akzeptiere, dass du nicht mehr 20 bist, dass Gewisses vielleicht auch nicht sein muss.

Also es ging im ersten Schritt ums Akzeptieren und Zulassen.  Ebenfalls ums Akzeptieren meiner Grenzen. Vielleicht um generelle Grenzen. Grenzen haben wir immer wieder im Leben.  Manchmal kleinere, manchmal grössere. Manchmal können wir diese Grenzen nicht mal selbst beeinflussen. Aber manchmal sind die Grenzen auch die, die wir uns selbst gemacht haben.

Zu Beginn habe ich erwähnt, dass wir alle in der Krise sind. Und wie ich am Eiger eine Krise hatte und diese meistern musste, müssen vielleicht momentan viele ihre eigenen Krisen bewältigen.

Ist Umdrehen das Richtige? In meinem Fall an diesem Tag, ja. Was es danach mit mir machte, ist jedoch das Wichtige. Da kam  dann meine kleine Krise. Übrigens war die grösste Krise in diesem Fall, den wenigen Menschen, die von meinem Vorhaben wussten davon zu berichten. Dies waren zwar alles Menschen die mir Nahe sind, und trotzdem war es für mich der schwerste Schritt. Dies war dann auch der zweite Schritt des Akzeptierens. Zulassen was war, wie ich bin, was ich kann und was ich nicht kann und dazu zu stehen.

Jetzt, Tage danach, kann ich meine Erfahrung teilen. Ich muss dabei etwas schmunzeln. Wer mich gut kennt, sagt vielleicht:» ja, sie hat wieder mal ihre Grenze ausgetestet…» Und wenn ich ehrlich bin – ja das habe ich. Sonst sehr vorsichtig, brauche ich doch ab und zu auf körperlicher Ebene meine Grenzen abzuchecken.

Aber nochmals auf die Krise zu sprechen:

Für mich gibt es eigentlich immer nur ein Rezept, wenn ich in einer Krise stecke:

  • Wut oder Frust zulassen
  • Die Situation akzeptieren: solange wir wütend sind und die Energie in unsere Wut stecken haben wir noch nicht akzeptiert.
  • Die Gegebenheiten zulassen.
  • Und dann gilt es nach vorne zu schauen.
  • Im Zulassen und Akzeptieren zeigt sich auch, was vorhanden ist und welche Ressourcen wir zur Verfügung haben. Es gilt ehrlich mit sich selbst zu sein. 
  • Und dann gilt es diese Ressourcen zu nutzen!
  • Vielleicht müssen neue Wege gesucht und bestritten werden. Diese können im ersten Moment weniger sexy erscheinen, vielleicht brauchen sie mehr Arbeit oder man muss etwas tun, von dem man das Leben lang dachte es sei nicht richtig oder man möchte diese Wege nie bestreiten.
  • Noch was: Suchen ist oft mühsam und beim Suchen geschieht vermeintlich nichts. Also anstatt zu suchen, einfach einen ersten Schritt in eine neue Richtung gehen, ob es der richtige Weg ist, zeigt sich schnell. Doch nur mit Machen wird man kreativ und es kommt Bewegung in eine Sache. 

Vielleicht merkt man dann auch plötzlich, was man eigentlich nicht mehr braucht und was wirklich wichtig ist.  Der neue Weg braucht andere Ressourcen als es der alte gebraucht hat. Doch ohne Schritte keinen Weg und ohne Weg keine neuen Ziele und Erfolgserlebnisse.

Übrigens dies kann man auf ein Unternehmen adaptieren, doch genauso gut auf einen persönlichen inneren Weg. Dort ist vielleicht das Ziel mehr Gelassenheit, mehr Zufriedenheit. Doch auch diese beiden Dinge findet man nur, wenn man sich auf den Weg dorthin begibt. Und Stolpersteine oder Stolperberge können ebenso weggeräumt, verändert oder umgangen werden.

Und zum Schluss; ich habe mein «Eigerziel» nicht aufgegeben. Werde aber nächstes Jahr mit dem Mönch beginnen;-) Nach dem Scheitern ist das wichtigste den Mut für neues nicht zu verlieren. 

Für mehr Inspiration, Leichtigkeit und Mut auf Deinem Weg.

fabienneballmer.ch
Gerne unterstütze und begleite ich Dich dabei. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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