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Im Leben gibt es laufend Chancen. Corona hat viel verändert.  Es gibt Geschäftsmodelle die gelitten haben, die umgedacht werden mussten. Andere haben profitiert oder sind erst durch Corona entstanden. Der Tourismus in der Schweiz hatte im Sommer 2020 einen unglaublichen Aufschwung. Plötzlich hat die ganze Schweiz ihr eigenes Land neu oder erst richtig entdeckt. Doch nicht nur das eigene Land wurde neu entdeckt. So erlebten Sportarten und Freizeitbeschäftigungen, die lange nur von sehr wenigen betrieben wurden, plötzlich einen kometenhaften Aufschwung. Nebst dem Dauerbrenner Wandern wurde das Schneeschuhlaufen, die Bergtouren, das Skitouring, das Langlaufen und Biken usw. zum grossen Trend. Spätestens jetzt hat fast jeder ein E-Bike, eine Outdoorausrüstung – der Markt ist förmlich explodiert. Wenn da ein Sportgeschäft nicht auf diese Trends aufgestiegen war, müsste man fast sagen, selber schuld.

Ja selber schuld, wenn man Chancen verpasst. Da gab es zum Beispiel auch Tourismusdestinationen, die ihre Chance richtig genutzt haben. Und klar, ehrlicherweise spielt da immer auch noch ein anderer Aspekt mit. Wenn man natürlich die letzten 20 Jahre geschlafen oder nichts investiert hat und dann plötzlich der Sommer 2020 da war, wo die ganze Schweiz im eigenen Land etwas erleben wollte, war es dann für diese Regionen schwer, kurzfristig etwas aus dem Boden zu stampfen. Wenn eine Chance kommt, muss man eben auch bereit sein dafür.  Aber dies gilt nicht nur für den Tourismus, dies ist in allen Bereichen im Leben so. Ein Sportler ohne Konstanz und langer Vorbereitung gewinnt die grossen Anlässe leider meistens auch nicht. Und klar, Glück und Pech liegen immer ganz nahe beieinander.

Doch zurück zum Thema und kurz zusammengefasst: Naturbegeisterung und Einzelsportarten liegen im Trend. Im Winter sind es die sanften Erlebnisse abseits der planierten Pisten. Im Sommer ist es das Biken, Wandern, Klettern in der unberührten Natur mit einem Besuch einer SAC Hütte, wo man ein Möhl-Saft aus dem Tonbecher trinken kann. Weniger ist mehr. Was sich ein paar Jahre anbahnte mit dem Erlebnis in der wilden Natur hat sich in der Pandemiezeit etabliert. In meiner Kindheit war es noch «uncool» wenn ich sagte, dass ich meine Ferien bei meiner Familie im Val Müstair  (Münstertal) verbringe und mehrheitlich auf Berge wandere oder im Frühling anstatt in coolen Skigebieten «herumflexen» mit den Fellen unter den Skiern auf die verschiedenen «Munt» und «Piz» gelaufen bin. Ich habe dies als Kind auch eher ausgelassen bei den Erzählungen und eher das Flugzeugerlebnis breitgeschlagen. Heute sieht das schon anders aus. Heute liege ich damit schon sehr im Trend und wenn ich erwähne, dass ich doch ein Stück Heimat in dieser abgelegenen Gegend habe, steigt die Interessenskurve. Heute kennt man das Münstertal, früher war es einfach ein Tal am südöstlichsten Ende der Schweiz.

Und genau aus diesem Grund freue ich mich auch so sehr über das Projekt NaturPark Baselland. Das Baselbiet ist wahrscheinlich einer dieser Gegenden in der Schweiz, welche sehr unterschätzt wird. Und zur Verteidigung der restlichen Schweiz muss natürlich auch erwähnt werden, vielleicht auch zu einem gewissen Punkt nicht zu unrecht; Das Baselbiet hat keine Alpen vor der Haustüre, keinen See – dies ist Tatsache. Aber das Baselbiet hat eine wunderschöne Hügellandschaft mit unglaublich schönen, oftmals schon melancholischen Hügel und Lichtzeichnungen. (Frei nach dem Baselbieterlied: Es wächsle Bärg und Täli gar lieblig mitenand)  Das Baselbiet hat eine grosse Landwirtschaftskultur und verfügt über eine einzigartige Vielfalt von einheimischen Produkten. Das Baselbiet bietet genau die Gegend und Voraussetzung, die momentan so sehr gefragt sind. Leider sind wir noch nicht bereit, vielleicht weil wir die Hausaufgaben nicht so gemacht haben oder vor ein paar Jahren noch nicht an unsere Gegend geglaubt haben. Es wird aber höchste Zeit dies zu ändern. In die Zukunft zu gehen. Ängste zu überwinden und dem Neuen eine Chance zu geben. Der Naturpark Baselland ist ein idealer Anfang. Der Naturpark hat nicht die Absicht einen Park hinzustellen und die Natur und Landwirtschaft zu zerstören. Sondern im Gegenteil, er bietet Chancen für neue Wirtschafts- und Ausbildungszweige immer mit dem höchsten Ziel unsere Natur zu schützen.

Für die Gastronomie aber auch für den Tourismus eine grosse Chance. Insbesondere für unsere Produzenten. Nicht zuletzt erhält die Region eine weitere Chance für Ausstrahlung. Und wenn man gehört werden möchte, braucht man Ausstrahlung.

Doch wie bei vielem Neuen. Es braucht eine Portion Mut. Die Welt gehört den Mutigen. Ich gebe zu; es ist manchmal einfach nur «Nein» zu sagen oder gegen etwas zu sein. Ein Nein bedeutet keinen Aufwand. Und das Wichtigste, bei einem «Nein» man kann nicht scheitern. Scheitern tut ja niemand gerne. Und so ist Nichtstun das vermeintlich Beste Rezept gegen Scheitern. Dies gilt leider für alle Lebensbereiche. Es gibt momentan so viele Chancen, wahrscheinlich so viele wie schon lange nicht mehr. Viele Regionen in der Schweiz die sich ausgeruht haben oder eben aus historischen Gründen sich gerade im touristischen Bereich wenig bewegt haben. Vielleicht auch nicht mussten? Wenn man jetzt nicht den Mut hat neue Wege zu begehen, Neues zu wagen, wann dann? Eines ist sicher. Wenn ein Bedürfnis besteht, verschwindet dieses nicht einfach. Der vegane Trend ist ein Beispiel dafür. Nur weil man nicht vegan oder gesundes und regionale Essen anbietet, geht das Bedürfnis dazu nicht einfach weg. Es wird einfach an einem anderen Ort befriedigt. Und so ist es mit diesen Chancen. Wenn wir sie jetzt nicht nutzen. Irgendjemand in der Schweiz wird die Chance nutzen und die Bedürfnisse stillen. Dann haben wir im Baselbiet oder vielleicht auch andere Regionen mit ähnlichen Themen das Nachsehen. Und dann nützt uns auch das «Nein» und das Querstellen nichts mehr. Denn die Welt dreht sich weiter und wer nicht mit der Zeit geht, der geht halt dann mit der Zeit. Somit überwiegen für mich die Chancen gegenüber den Risiken deutlich.

 

fabienneballmer.ch

 

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