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Kurz zur Historie. Ich selbst wurde früh Mutter. Mein erstes Kind habe ich noch während meiner Ausbildung an der Hotelfachschule geboren. Ich war jung und voller Tatendrang, ungeduldig und dachte wahrscheinlich, das Leben sei schon fast vorbei;). Trotzdem habe ich doch einige Zeit nicht gearbeitet. Also stopp – nicht gearbeitet: Ich hatte drei Kinder im Alter von 1 – 5 Jahren und damit eigentlich ganz viel Arbeit. Und klar, wer mich kennt weiss, ruhig war ich (leider) nie. Ich habe immer noch etwas neben den Kindern und dem doch nicht kleinen Haus getan, viel Ehrenamtliches. Ich leitete Muki und Kitu, was ja mit den Kindern auf der Hand gelegen ist, war in der RGPK und hatte sonst hie und da ein Ämtli. Als mein Jüngster dann in den Kindergarten kam, bin ich nach 3-jähriger Babypause wieder ins Berufsleben eingestiegen. Wahrscheinlich waren damals meine Ungeduld und meine Neugier die treibende Kraft.

Und heute sind meine Kinder knapp 18, 16 und ganze 14 Jahre alt. Mein Pensum ist hoch. Auch dies vielleicht meiner Neugier und Freude am Leben und am Tun geschuldet. Trotzdem sitze ich gerne entspannt beim Mittagessen.
Es ist mir unglaublich wichtig, dass ich es mit meinen Kindern teilen kann. Ich liebe das Mittagessen, die Mitte des Tages, dort wo man richtig im Saft ist und nochmals Energie tanken kann für so vieles. Darum ist es mir auch so wichtig, meinen Kindern am Mittag eine Art Oase zu bieten. Ihnen den Wert dieser Gemeinschaft mitzugeben. Ich möchte nicht, dass sie gestresst nach Hause kommen und sich dann irgendetwas wärmen müssen und sich anschweigen. Und klar, es gibt auch bei mir Momente, in denen ich im Stress bin, aber auch das gehört zum Leben. Auch das dürfen Kinder erleben. Sogar unbedingt. Aber zurück zum Thema. Ich sitze am Mittagstisch und denke, wo ist die Zeit geblieben. Bald ist es vorbei und alle sind ausgeflogen. Und dann kommt dieser Wehmut, all der Stress ist vergessen und ich denke «manno – jetzt bist du 42 – die Zeit ist verflogen».
Manchmal sehe ich beim Einkaufen oder auf sozialen Medien gestresste Mütter mit kleinen Kindern, die in einen Tagesablauf passen müssen. Und dann gehen mir Gedanken durch den Kopf und ich würde am liebsten sagen:

Liebe jungen Mütter,

Geniesst eure Kleinkinder. Keine Sitzung, keine Party, kein Amt läuft davon. Eure Kinder lernen laufen, ohne euch zu fragen. Die strahlenden und funkelnden Augen, wenn sie mit euch Guetzli ausstechen, kommen nicht zurück. Die Ruhe, die ihr ihnen als Kleinkinder gewährt, weil ihr nicht von Pontius bis Pilatus rennen müsst, werden sie später nicht nachholen können. Die Nestwärme brauchen sie mit 16 nicht mehr. Ihnen nützten später auch die Nike Jordans nichts, wenn sie in jungen Jahren nicht tagelang zuhause in Strumpfis rumrennen durften und einfach sein konnten.
Oder wenn sie krank sein durften und dabei nicht abgegeben, sondern getröstet wurden. Wenn sie nicht einfach in den Tag hineinleben konnten, ohne dass sie jeden Morgen um 5 Uhr aus dem Schlaf gerissen und irgendwohin chauffiert wurden. Darum rate ich nach meinen 18 Jahren als Mutter, die heute einiges anders machen würde: Geht das Leben mit Kindern viel gelassener an, denn nichts rennt davon. Lasst das «perfekt» sein wollen. Denn perfekte Mütter wollen und brauchen die Kinder nicht. Kinder möchten sich entwickeln und in einem perfekten Umfeld haben sie keine Chance dazu. Es rennt auch keine Karriere davon. Geniesst die Zeit, wenn die Kinder klein sind. Geniesst die Trainerhosentage, umgeben von Windel- und Stillschlammassel, auch sie kommen nicht zurück. Die schönen Kleider im Regal warten. Die Partys finden auch 18 Jahre später noch statt. Die Highheels rennen auch nicht davon. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, in dem ihr froh wärt, einfach in Turnschuhen mit einem Kinderwagen zum Dorfladen spazieren zu können;-).
Oder mit dem Kind im Tragetuch eine Runde zu drehen. Früher dachte ich, oh wie mühsam da zuhause, wie gerne würde ich nach Zürich zum Shoppen gehen. Heute stehe ich in der Bahnhofstrasse, beobachte die «perfekten Mütter» und denke: Oh wie gerne wäre ich doch wieder einmal in Leggins und Turnschuhen, Zöpfli und Stirnband und dem Chariot unterwegs zur Brätelstelle, wohin wir das Mittagessen verlegt haben. Kein Hetzen nach der grossen Welt.
Dann sag ich mir: Ich hätte es noch viel mehr machen und geniessen sollen. Und ich weiss, wenn man dies vielleicht als junge Mutter liest, denkt man: Ja, aber die Abwechslung braucht es doch auch – ja, da gebe ich recht. Das ist völlig ok. Mütter dürfen arbeiten. Aber Mütter dürfen auch Mütter sein und arbeiten, ohne dass man denkt, es gäbe kein Morgen mehr. Man darf es gelassen nehmen. Und vielleicht einmal etwas länger warten auf etwas und auch vermehrt im Sinne der Kinder handeln.
Denn nichts ist so wichtig wie unser Nachwuchs. Nachwuchsförderung beginnt bei unseren Müttern. Und so, wie wir den Samen pflanzen, so wie wir die zarten Pflänzchen giessen und zu ihnen schauen, so werden sie sich später
entwickeln. Je mehr Sorgfalt und Achtsamkeit man ihnen als Klein schenkt, desto besser können sie sich entfalten und sind im Endeffekt sogar robuster.

Und zum Abschluss: Ja, es ist dringend auch eine Aufgabe für unsere Gesellschaft, unseren Staat, Frauen einen einfacheren Wiedereinstieg zu ermöglichen und die Stärken einer Mutter zu erkennen und sie nicht nur auf Weiterbildungspapiere und Anzahl Stunden on the Job zu reduzieren. Und dann braucht es auch Frauen, die den Mut haben, dies zu leben und zu fordern. Hinzustehen für das, was sie sind, den Mut haben, Frau und Mutter zu sein, jedoch auch den Mut haben, nach Babypausen wieder einzusteigen. Den Mut haben, loszulassen. Und übrigens nein es soll nicht eine Hommage an ein altes konservatives Frauenrollenbild sein, eher das Gegenteil; ein Bild einer selbstbewussten Frau und Mutter die zu ihrem Sein, ihrer Rolle und ihrem Potential steht.

Und noch was; Lippenstift und Minijupe geht auch beim Mittagessen kochen . 

fabienneballmer.ch 

 

 

 

 

 

 

 

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